Rodney Holmes, 1966-2026

JC beginnt diesen Nachruf aus gutem Grund mit demselben Video wie im Nachruf auf Wayne Shorter.
Es zeigt dessen unfassbar gut eingespieltes Quintett beim Montreux Festival 1996 (mit David Gilmore, g, Jim Beard, keyb, Alphonso Johnson, bg, Rodney Holmes, dr).
Von besonderem Interesse hier - neben der dichten, interaktiven Verknüpfung mit dem Ensemble durch Letzteren -  auch sein Solo (4:18-5:52).
Im zweiten Video beantwortet er vor großem Publikum die Frage nach dem "riff with the cowbell", eine seiner Techniken, die auch bei Wayne Shorters "Over Shadow Hill Way" zum Einsatz kommen.
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Es muss in den frühen 90ern gewesen sein, im Stadtgarten Köln. Wir erinnern uns nicht mehr so genau: mutmaßlich Gary Thomas, seit einiger Zeit „verstummter“ Tenorsaxophonist, war mit einem Quartett, darin Dennis Chambers, angekündigt. Stattdessen nahm ein gewisser Rodney Holmes am drumset Platz.
Die Enttäuschung verwandelte sich alsbald in Verwunderung: warum hatten wir noch nie von diesem jungen Mann gehört, für den der Status „Ersatzmann“ einer frivolen Untertreibung gleichkam?

An diesem Abend brannte sich eine Erfahrung ein, die im nachfolgenden Jahrzehnt als stabile Vorfreude immer wieder vorkam: als wir ihn dann sahen mit Jean-Paul Bourelly, mit Joe Zawinul, auf der „Return of the Brecker Brothers“-Tour.
Als der überlebende der beiden, Randy Brecker, am 19.09.25 spielend seinen Achtzigsten feierte, da wirkte er im Hintergrund mit.
Der Kollege Dave Weckl - bei vergleichbarer Technik weitaus berühmter - spendierte ihm ein sehr frühes testimonial:
He came to me somewhere in the mid 80s for a drum lesson. He sat down and played for about five minutes. I literally told him there was nothing for me to show him, and to go home."(Dave Weckl auf Facebook).
Holmes hat keine der anerkannten Jazz-Ausbildungsstätten absolviert, er ist weitgehend Autodidakt. Als Teenager hatte er zwei Jahre in Georgia verbracht und an der Schule in Ermangelung einer Jazzband sich mit den Techniken des Marching Band Drummings vertraut gemacht. Sein erster Lehrer war ein Perkussionist, Frankie Malabe; Horacee Arnold als ausgesprochener drum teacher kam später.
Erster relevanter Jazzjob mit Clyde Criner, einem frühen schwarzen Fusion-Keyboardspieler, und dann: Jean-Paul Bourelly. „That gig was really a major influence on the way I play today“, sagt er 1993. Aber auch, dass Bourelly keine ride cymbals und hihat-patterns mochte. In Anpassung an dessen Wünsche verhalfen ihm die bei Malabe gelernten Lektionen (Umsetzung von Percussion-Techniken auf drumset) zur Entwicklung eines eigenen Stiles. 
Gute Voraussetzung, so scheint es, für den ihn solchen Fragen offeneren Joe Zawinul:
He wants his band to be like a basketball team where he would be able to pass the ball to anyone at any moment and feel comfortable and confident“ (in Modern Drummer, 1993).
Klingt das nicht wie eine andere Lesart des bekannten Zawinul-Mottos „we never solo - we always solo“?
Große Teile der 2000er Jahre verbringt er in den Bands von Carlos Santana, inkl. mehrerer Grammy-Nominierungen und -Auszeichnungen.
Rodney Holmes, geboren am 24. August 1966 in der Bronx, starb am 11. Juli 2026 an einem Krebsleiden, wenige Wochen vor seinem sechzigsten Geburtstag. 
Die Anteilnahme ist groß in Schlagzeugerkreisen, ansonsten gering. Er hat außer einem deutschen keinen weiteren Wikipedia-Eintrag.

erstellt: 20.07.26
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