RASCHER SAXOPHONE QUARTET-STEFFEN SCHORN-ROGER HANSCHEL Was weite Herzen füllt **********

01. Was weite Herzen füllt (Hanschel), 02-04. Three Pictures (Schorn), 05.-06. Manic Maelzel, 07. Regeneration & Blend (Hanschel), 08. Wo kommt denn des her (Schorn), 09. Buddy´s Soul - for Ken



Rascher Saxophone Quartet
Christine Rall - ss, as (1), Elliott Riley - ss (1), as, Andreas van Zoelen - ts, basss (2,3,4), Kenneth Coon - bars (1-8)
Roger Hanschel - sopranino (4,5,8), F-Mezzosopran (2,3,9), as (1,6,7),
Steffen Schorn - ts (1-4), bars (7,9), Bb-Tubax (2,5,6,8)

rec. 03/2017 + 07/2019
Paschen Records PR 190064

Herrschaften, was haben wir auf dieses Album gewartet!
Im März 2017 ist es in Nürnberg, im Studio Franken des BR, entstanden.
Kurz zuvor hatte das Sextett beim WDR Jazzfest in Gütersloh brilliert, 2015 war es in einem Kellersaal in Köln, zu Ehren des von Saxophonisten aller Genres verehrten „Saxophondoktors“ Peter Neff (verstorben 2014), erstmals zusammengekommen.
Die Veröffentlichung von „Was weite Herzen füllt“ fällt nun zusammen mit dem fünfzigsten Geburtstag des Rascher Saxophon Quartetts, eine Art Kronos Quartet der klassischen Saxophonliteratur.
Über 350 Kompositionen wurden für dieses Ensemble geschrieben, von Berio über Glass und Kagel bis Xenakis.
„Da pacem domine“ von Arvo Pärt, arrangiert für Rascher, wird an jedem 11. März in Madrid aufgeführt, in Erinnerung an die Opfer des Terroranschlages am Bahnhof Atocha, 2004.
In diese Riege der Tonsetzer stoßen mit Steffen Schorn und Roger Hanschel nun zwei Mitglieder eines Karteileichen-Ensembles namens Kölner Saxophon Mafia.
Der Utopie, dass E- und Jazzmusiker auf gleicher Sitzhöhe agieren, rauben sie nicht zum ersten Mal den Charakter des Unerreichbaren.
1990 bereits schrieb Hanschel für die Querfeldeintour der Saxophon Mafia durch die Kölner Musikwelt („proudly presents…“) ein Stück für sich und das Auryn (Streich) Quartett, 2014 folgte das stupende gemeinsame Album „Niederschlagsmengen“.
Die „konzeptionelle Kontinuität“ Hanschels (darin dem Motto von Frank Zappa nicht unähnlich) zeigt sich darin, dass er manche seiner Kompositionen von Projekt zu Projekt mitführt; so werden zwei Stücke von „Niederschlagsmengen“ (das Titelstück sowie „Regeneration & Blend“) auf „Was weite Herzen füllt“ neu interpretiert.
So punktgenau die lange Wartezeit dafür nun im Rascher-Jubliläumsjahr aufgeht -
sie wird vom Tod eines Mitgliedes überschattet: der Baritonsaxophonist Kenneth David Coon ist am 14. Mai 2019 verstorben. Er wurde 52 Jahre alt und hat die mathematische Hälfte seines Lebens im Rascher Quartet verbracht (vielleicht war es auch die glücklichere).
Das Album schließt mit einem Requiem für ihn; aufgenommen zwei Monate nach seinem Tod, zwei Monate vor der Veröffentlichung - so schnell wiederum kann es gehen, wenn Jazzmusiker beteiligt sind. Genauer: wenn Jazzmusiker komponieren.

---wird fortgesetzt

erstellt: 13.09.19
©Michael Rüsenberg, 2019. Alle Rechte vorbehalten