Nate Wood und Peter Bruun - obgleich in verschiedenen Kontinenten geboren - sind Zwillinge.
Beide sind Schlagzeuger. Beiden reicht das Instrument nicht.
Beide haben sich instrumentell multipliziert, sie sind zu Rhythmusgruppen mutiert.

Der Unterschied: der eine macht´s mit links, der andere mit rechts.
Beide hauen Bass-Grooves heraus, hammerharte Grooves.
Bei dem einen bewegen sich die Grooves kunstvoll am Rande des Scheiterns, bei dem anderen springen sie einen knallhart & kompakt an.
Beide zu besichtigen im Abstand von einem Vierteljahr am selben Ort, im Stadtgarten Köln.
Peter Bruun mit seinem Quartett All Too Human erübrigt für seinen drumset noch die Füsse und die linke Hand. 
Mit der rechten tippt er Bass-Grooves in einen kleinen, monophonen Synthie. Phat.
Damit verbringt er ca 50 Prozent der Zeit, er hat ja hat noch einen bemerkenswerten Keyboardspieler in der Band (Simon Toldam).
Nate Wood 1 1Nate Wood hat sein zweites Instrument die ganze Zeit umgeschnallt. Seit Kaveh Rastegar die Band Kneebody verlassen hat, übernimmt er dessen Funktion gleich mit.
Es ist eine fünfsaitige Baßgitarre (kurioserweise mit der Aufschrift „Four“).
Die Saiten sind so gespannt, die Lautstärke so gepegelt, dass Wood die rechte, die Zupfhand, nicht einsetzen muss.
Er drückt die Töne mit der linken (tapping), inklusive Lagewechseln und kurzer glissandi - ein vollgültiges Baßspiel.

Die rechte Hand, die drummer-Hand, bleibt für snare, tom und cymbals reserviert.

Das Resultat: der Jazzrock von Kneebody, ohnehin nicht ohne Mangel an Expressivität, kriegt noch weiteren Schub.
Und sollte Nate Wood doch mal beide Hände für snare rolls brauchen, steht zwischen Shane Endsley (tp) und Bend Wendel (ts) ein weiterer kleiner Synthie, mit dem sich tief-frequent weiter wummern lässt.
Wer an diesem Abend (der erst nach zwei Zugaben wirklich zu Ende geht) ein wenig zu kurz kommt, ist Adam Benjamin mit seinem nach wie vor individuellen Sound am Fender Rhodes Electric Piano.
Auch die einst so typischen „Fanfaren“-Themen von Kneebody wirken in den Hintergrund gedrängt, man bekommt eine Vorahnung auf das nächste Album, das eine Ausweitung des Spektrums mit Sängern enthalten wird.
Wer ein Paradestück der Band („Drum Battle“) in alter Quintett-Stärke erleben will, findet es bei YouTube
Und ebenso, dass Nate Wood mit seiner Technik mitunter die Grenze zur Zirkusnummer überschreitet.

erstellt: 28.05.19
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