Die Jazzpolizei hat ein Faible für Saxophon-Quartette.
Sie mag bekanntlich das Delta Saxophone Quartet aus London, das Arte Quartett aus der Schweiz, auch Bl!ndman aus Brüssel und selbstverständlich das klassische Rascher Saxophon Quartet mit den Kompositionen von Steffen Schorn.
Die Jazzpolizei mag aber auch vieles von Gebhard Ullmann aus Berlin.
Ullmann hat jüngst seine Suite „Hell und bunt - Fünf Farben für Saxophon-Quartett“ (1995) überarbeitet und auf Soundcloud hochgeladen.
ullmannSideman concertsMan kann von dem Parcours sehr angetan sein und sich ausmalen, wie dieser irgendwann unter dem manuellen Zugriff von vier leibhaftigen Holzbläsern erklingen wird.
„Hell und bunt“ erstrahlt auf Soundcloud einstweilen in der Fassung, in der eine Komposition heute - neben der später ausgedruckten Partitur - üblicherweise das Stille Kämmerlein des avancierten Jazzkomponisten verlässt: als soundfile vom Computer, basierend auf Saxophon-Samples, diesmal von Wallander Musik (sic!). Aus Schweden.
Dieser leicht manierierte Duktus schadet dem ersten Satz überhaupt nicht; im Gegenteil: in dem polyphonen Geflecht von vier Stimmen werden zwei Saxoophone so eng geführt, dass man meint, eine Jahrmarktsorgel zu hören.
Das hat seinen ganz eigenen Reiz.
Lediglich die Blues-Intonation im dritten Satz stellt diesen Wallander vor eine Aufgabe, mit der er sich schwertut.
Alles in allem, eine herrliche Höraufgabe: man hört Strukturen und muss seine Phantasie bemühen, wie diese dereinst optimal ausgeführt werden.
Von Hand und mit dem Mund.

erstellt: 30.08.20
©Michael Rüsenberg, 2020. Alle Rechte vorbehalten