Ja, ist denn immer noch cologne jazzweek? Wurde sie verlängert?
Das Szenario im Loft - ein ausgesprochenes lookalike:
Der Laden genauso voll, darunter, auf demselben Platz, die ältere Dame, die letztens einen Kreislaufkollaps hatte, quietschfidel und aufmerksam wie immer.
Das Programm aus zwei acts: heterogen, auf geradezu konfrontative Art.
Im zweiten Teil ambientaler Avant Rock aus Italien, zum Auftakt ein Quintett - kölscher geht´s nimmer - aus lauter Trägern des Jazzpreises der Stadt Köln:
Stefan Karl Schmid, ts (2013), Felix Hauptmann, p (2022), Fabian Dudek, as (2023), Leif Berger, dr (2023) sowie Roger Kintopf, b (2026).
Dieses Leif Berger Quintett ist noch nie aufgetreten, ein Soziogramm seiner Mitglieder ergäbe gleichwohl einen kaum noch steigerungsfähigen Vernetzungsgrad.
Von den vier Stücken hat der Bandleader dreien den Stecker ´rausgezogen.
Zwei stammen aus seinem Debütalbum von 2018, er holte sie raus aus einer verspielten Keyboard-Ecke und verpflanzte sie in ein Gelände mit vertrauten Gewächsen, in eine Art Neo Hardbop. Jedenfalls weit entfernt von den vertrackten Konstruktionen des Trios Neon Dilemma vor einem halben Jahr a.a.O.
Auch hier wie eine knappe Woche zuvor auf der CJW, „Avantgarde macht Pause“.
Wir erkennen die klare Ordnung Thema/Solo, Ver-
wandtes zum New Orleans backbeat, Swingendes, coole Themen und Solisten, die richtig was daraus machen.
Sowie Zuhörer, die mit Heißhunger auf Mehr das alles feiern und schließlich von Leif Berger vertröstet werden müssen, sorry keine Zugabe, das Quintett hat nur vier Stücke geprobt.
Und außerdem kommt noch ja mehr. Aus Italien.

She’s Analog beginnen zünftig, wie´s der Name verspricht, mit einem sehr analogen Klang, mit einer Gitarren-Rückkopplung. Sie weitet sich nach unten, in ein Delta aus drones, das alle drei Musiker in aller Seelenruhe schichten.
Die Verantwortung für den dominanten Teil vermittelt sich auch gestisch.
Luca Sguera dreht und tippt viel an seinen beiden keyboards, ein jeder move begleitet von tänzelnden Bewegungen.
Urplötzlich und ohne erkennbares körperliches Äquivalent erdröhnen sub-sonische Bässe: der pitch checker der Jazzpolizei verrät, es geht hinab bis auf 49 Hertz.
Das wäre Techno-Tiefe. Aber als leitender Hörbegriff will Techno so gar nicht taugen, die Kontrastbildung dieser Musik erfolgt nicht kleinzellig, sondern episch, in langen Bögen, die Tempi sind anders. Ebenso die patterns von Gitarre (Stefano Calderano) und Schlagzeug (Giovanni Iacovella).
Abgesehen davon, dass letzterer auch zwei kleine keyboards bedient, sind seine Beats Handarbeit. Und peu a peu schält sich eine Referenz heraus, sie ist in dieser Stadt wohlgelitten: Jaki Liebezeit (1938-2017), Schlagzeuger von Can.
Es ist die in langen Bögen organisierte Can-Ästhetik, die bei She´s Analog eine Art Remake erfährt.
In vielen Momenten mochte ihr die Jazzpolizei gerne folgen, wenn Iacovella die metrische Ordnung verließ - eher nicht.
Fotos: Gerhard Richter
erstellt: 17.09.26
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