Moers Festival 2026 (2. Tag)

Moers 2026 nie mainstream   1Kann eine Krähe Kammermusik stören?
Im Prinzip schon: sollte sie sich verflogen haben in einen Kammermusik-Saal.

Aber, wenn das nicht der Fall ist, wenn sie in ihrem natürlichen, städtischen Habitat tönt, z.B. in einem der Bäume am Kastellplatz in Moers - wo gerade Kammermusik aufgeführt wird?
„After Nan Shepherd“ (2026), in der europäischen Erstaufführung von Nate Wooley,  gefördert von der Ernst von Siemens-Stiftung, und allein von daher schon kein Jazz, sondern Neue Musik. Ein Stück für eine Sängerin, zwei Pianistinnen, zwei Percussionisten und den Bandleader, pardon den Komponisten an der Trompete.
Moers 2026 keinen schonen Abend   1Ein Stück Kammermusik, meist im Dynamikmodus piano, nach Texten einer der Hauptautorinnen des nature writing, Nan Shepherd (1893-1981), über die das Festival gerade dies nicht verlautbart - anderererseits aber auf einem der nicht ausreichenden Sitzmöbel warnt:

„Moers will seinem Publikum ausdrücklich NICHT einen schönen Abend bescheren!“
Ein Satz von vielen, die man in Moers wahr-, aber nicht ernst nimmt.
Sätze von „offizieller“ Seite, die nichts anderes bilden als die grob-assoziative Vergewisserung, auf der „richtigen“ Veranstaltung zu sein.
Verglichen mit den Vorjahren hat das Festival sich in seiner 55. Ausgabe auf einen Rest seiner albernen Politparolen zurückgezogen -
mit einer aber voll daneben gegriffen: statt Pausenmusik oder einfach mal „a Ruhe sein“ zu lassen, tönen, sobald der letzte Bühnenton verklungen, Reden von Donald Trump über das Gelände, 10, 15 Minuten lang.
Amerikanischen MusikerInnen, so hört man, seien davon nicht amused gewesen.


Also, stört eine Krähe die Kammermusik?
Ja, sie stört.
Sie stört genauso wie „Horst, hier sind noch zwei Plätze!“ Oder - je nachdem, wo man sitzt, steht oder liegt - jene Festivalbesucher, die noch nicht zu solchen Positionen gefunden haben.
Es ist eine Zumutung, selbst an einem schönen Sommerabend, Musik nachvollziehen zu wollen, die nicht auf einen Platz mit Kopfsteinpflaster, mit unzureichender Bestuhlung gehört, sondern in einen Kammermusiksaal.

Zum Beispiel in die Enni Halle (die große Errungenschaft während der späten Jahre unter Reiner Michalkes Programmverantworung (2006-2016), in der auch unter Tim Isforts Leitung akustisch feinsinnige Darbietungen zu entdecken waren.
Der jüngste Umbau des Hallenumfeldes, insbesondere die Parkgelegenheiten, haben ihm sehr missfallen, die Händler (ein gewichtiger Umstand des Moers Feelings´) waren unzufrieden.
Ausweg: das Festival zieht um, zum fünften Male, nicht aus Budgetgründen, wie Isfort betont. Es zieht in Richtung Moers-Mitte und u.a. erneut dorthin, wo es 1972 gestartet war: in den Schlosshof, 
Das Motto „näher bei de Leut´“, ursprünglich ein SPD-Motto (von Kurt Beck), kommt heute bei der Moerser Bürgermeisterin und ihrer Stellvertreterin (beide aus der dem Festival lange fernstehenden CDU) bestens an.

---wird (natürlich) fortgesetzt
erstellt: 24.05.26
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