Der Anstoss - wen wundert´s - war Terri Lyne Carrington mit ihrer Selektion „New Standards - 101 Lead Sheets by Women Composers“ (2022).
Die Kölner Adaption benötigt die sich darin manifestierende Gender-Balance nicht. Und was die Anzahl der ausgewählten Kompositionen betrifft, so geht „101“ in der Domstadt schon gar nicht.
In der lokalen Zahlenmystik, der auch Zugezogene rasch erlegen sind, muss notwendig die Primzahl „11“ enthalten sein. Insoweit umfasst die Kölner Version einer Sammlung ansässiger oder dem Ort verbundener KomponistInnen 111 Stücke.
Das ergibt eine kölsche Version, ohne volkstümlichen Charakter: das Cologne Songbook. 111 Compositions by Cologne Composers.
Auch das Auswahlverfahren lief am Rhein anders als am Charles River (in Boston):
Die Mitglieder der Kölner Jazz Konferenz (Aktive auf und hinter der Bühne) konnten je drei AnwärterInnen nominieren, die sie mit je einem Werk in den 111er Kanon sich wünschten.
Das klingt demokratisch - produziert aber wie jede Wahl auch Verlierer.
Ein erster Blick auf die Auserwählten zeigt: von ein paar Ausnahmen abgesehen (z.B. Peter Herbolzheimer, Wolfgang Engstfeld, Manfred Schoof, Joachim Ullrich) wählt hier die Gegenwart sich selbst. Jüngste Neuzugänge zur Szene sind präsent, ältere konzeptionelle Charakterköpfe der Kölner Szene fehlen (wundersamerweise alle mit Vergangenheit in der Kölner Saxofon Mafia): Roger Hanschel, Dirk Raulf, Norbert Stein.
Stefan Karl Schmid, der das Projekt von der Selektion der Namen über die Printversion (auch pdf) der Stücke bis hin zu deren Umsetzung in Bühnenfassungen betreut hat, betont: „cologne songbook“ ist kein kuratiertes Projekt, es beruht schlicht auf einem Ranking, auf Stimmenmehrheit.
Das „Schicksal“ der drei Genannten erklärt er so: zwei von ihnen gelangten nicht unter die top 111, der dritte (dem dies gelang) konnte keine Komposition einreichen, die dem geforderten Umfang entspricht: zwei Seiten.
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erstellt: 09.09.26
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