Gleich noch mal „Live at Yoshi´s“ aufgelegt, den Mitschnitt aus dem Club in Oakland/CA aus dem Dezember 2000. Und gleich im Anschluß „Remember“, sein Tribut an Wes Montgomery aus dem August 2006.
Yeah, that´s Jazz!
Musik direkt aus dem Maschinenraum der Gattung. Was auch immer oben, auf den verschiedenen Decks passieren mag, die Energie kommt von hier!
Hier stehen die Aggregate, hier werden sie geölt, sie halten den ganzen Laden am Laufen.
Hier braucht´s weder postmodernes Vokabular, um zu beschreiben, was man hört, keine Anleihen bei exotischen Genres. Was hier geschieht, darauf können sich alle Fraktionen blitzschnell einigen: das ist Jazz!
Sozusagen der Gattungsbegriff in „reiner“ Form zum Klingen gebraucht, ohne jeden ironischen Unterton, ohne Legitimationsfragen. Wer sich hiervon mitreißen lässt, muss nicht um Verständnis bitten.
Blues, Shuffle, uptempo swing, tradin´ fours - die Begriffe drängen sich geradezu auf. Vor allem das Ternäre, die Triole, Kern vieler (nicht aller) Schulen der Jazzphrasierung.
Wer hat je so triolisch durchphrasiert, auch in hohen Tempi, auch in unruhigen Gewässern wie - als nächstes im CD-Player - bei „Joyous Lake“ (1976), seinem kurzen Ausflug in den Jazzrock, u.a. mit Delmar Brown, keyb (1954-2017) und Kenwood Dennard, dr.
Und dann, immer wieder, diese Repetitionen, diese Kreiselbewegungen kurzer Motive; „wie aus der Hüfte geschossen“, möchte man beinahe formulieren, aber dafür laufen sie viel zu rund, verlieren nie den Halt. Der englische Gitarrist Ant Law hat diese Gestalt als 6-Noten-lick beschrieben sowie die Bedeutung der dicken Saiten für seinen Sound betont (der ihn als einen Vorgänger von Pat Metheny ausweist).
Eben wegen der dicken Saiten, betont der Kölner Gitarrenexperte Lothar Trampert, finde man bei ihm kaum vibrato und bendings (Tonbeugungen), von der Tonhöhenbehandlung her erkennt er eine Ähnlichkeit eher zum Piano.
Auf nicht wenigen Fotos sieht man Pat Martino als gut gekleideten, gut aussehenden Herrn, ein Gentleman, der auch an seinem Instrument nie die Contenance verliert.
Martino (auch sein Vater, gleichfalls Musiker, wählte schon dieses Pseudonym) hat nie eine Akademie von innen gesehen. In Dennis Sandole hatte er denselben Musiklehrer wie John Coltrane, den großen Rest aber hat er autodidaktisch erworben.
Insbesondere anhand eines Modells: Wes Montgomery (1923-1968).
„Als ich dreizehn Jahre alt war, saß ich vor einer Platte, ´Groove Yard ´(1961) auf Riverside Records, die Montgomery Brothers, und hörte sie mir auf dem Plattenspieler meines Vaters an... Ich saß auf dem Boden und versuchte, die Soli zu kopieren, und als Kind hoffte ich, dass ich eines Tages so spielen könnte. Und genau das hatte ich vor, als dieses Projekt in den Vordergrund rückte. Ich wollte das erreichen, was ich mir als Kind vorgenommen hatte, jetzt, wo ich die Fähigkeit dazu habe“ (Martino über „Remember“).
Ein Jahr zuvor - solche Andekdoten lieben wir ja im Jazz - soll kein Geringerer als Les Paul (1915-2009) erwogen haben, bei dem zwölfjährigen Pat Unterricht zu nehmen.
1997 gastiert er bei ihm, neben anderen Instrumental-Kollegen, auf „All Sides now“. In der Folge veröffentlicht er eine Reihe bemerkenswerter Alben für Blue Note.
Martino hat mit allen Helden der Hammond B3, der Schweineorgel, gearbeitet: Jimmy Smith, Jimmy McGriff, Don Patterson, Jack McDuff (sein „Mac Tough“ ist ihm gewidmet), Richard Holmes, zuletzt Joey DeFranceso.
Er hat zwei gravierende Schicksalsschläge überstanden: 1980 ein Gehirn-Aneurysma (dass er danach das Gitarrespielen vollkommen neu erlernen musste, hat er in seiner Autobiographie korrigiert), 1994 einen Gehirntumor.
Der letzte Eintrag in seinem Tourneekalender: 24. November 2018, Mantova, Italien, mit einem Orgeltrio (Pat Bianchi, org, Carmen Intorre, dr), ein paar Wochen zuvor war er auch im domicil, Dortmund.
Ende 2018 verschlechtert sich sein Gesundheitszustand, seine Ersparnisse sind aufgebraucht, über das Internet erfolgt ein Spendenaufruf, der mit 250.000 Dollar weit mehr als die projektierte Summe einbringt.
Im Mai 2021 veröffentlicht sein Manager Jo Donofrio ein Bulletin:
„Patrick C. Azzara, auch bekannt als Pat Martino, befindet sich nach wie vor in demselben Zustand, in dem er aufgrund einer chronischen Atemwegserkrankung, die seine Lungen daran hindert, Sauerstoff aufzunehmen, rund um die Uhr behandelt werden muss“.
Am 1. November 2021 teilt er dessen Tod mit.
Pat Martino, geboren als Patrick Azzara am 25. August 1944 in Philadelphia, starb am 1. November 2021 zu Hause in Philadelphia. Er wurde 77 Jahre alt.
PS: Pat Martino Trio live im Moods, Zürich, 2018
Foto: Mark Sheldon (patmartino.com)
erstellt: 02.11.21
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Aus dem Juni 1967 kursieren Schnipsel durchs Internet, von einer sagenhaften Freitagnachmittag-Debatte im
Millers Schwerpunkt hatte sich da schon weg vom FreeJazz und mehr zur Populären Musik (in einem sehr umfassenden Sinne) verlagert, Und vor allem: zum

"Paul Jackson war ein ungewöhnlicher Funk-Bassist, denn er mochte es nie, dieselbe Basslinie zweimal zu spielen, also reagierte er während der improvisierten Soli auf das, was die anderen Jungs spielten", sagt Hancock in seiner Autobiografie "Possibilities". "Ich dachte, ich hätte einen Funk-Bassisten angeheuert, aber wie ich später herausfand, hatte er eigentlich als Kontrabassist angefangen.“
Der Jazzkünstler Uli Rennert ist stilistisch schwer zu fassen. 
Auf seinen eigenen knapp 20 Alben verfeinerte er die Tongebung seiner Trompete, sodass auch bei ihm mitunter das Ausgangssignal in einem komplexen Klang verschwand, auf rhythmischer Ebene kam HipHop hinzu. Mit dessen Sample-Techniken hingegen stand er auf Kriegsfuß: "Jetzt sind wir im digitalen La-la-Land, nehmen eine Millisekunde oder ein paar Millisekunden von etwas, das in der digitalen Domäne ist, und machen daraus etwas anderes... es gibt kein Original mehr."
Dass er der „Muhammad Ali der Tuba“ gewesen sei, dieser ästhetische Ritterschlag seines Kollegen Joseph Daley, klingt verwegener als er ist.
"Wenn ich zweihändige Klaviermusik höre, ist das sehr frustrierend, auf eine körperliche Art und Weise. Schubert hören oder etwas, das leise gespielt wird, halte ich nicht aus. Denn ich weiß, dass ich das gar nicht mehr schaffe.